
Berlin, 07.04.2026 – Die geplante Reform der GEMA wird vielfach als notwendige Weiterentwicklung verstanden. Auch wir als FREO e.V. sehen den Reformbedarf. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Diskussion, dass die vorliegenden Vorschläge grundlegende Fragen der Verteilung von Einnahmen sowie der Beteiligung und Mitbestimmung innerhalb der GEMA aufwerfen.
Im Kern wird in der Reform vorgeschlagen, die Ausschüttung von Einnahmen stärker an tatsächliche Nutzung und erzielte Erlöse zu koppeln. Damit verschiebt sich das System in Richtung einer engeren Verbindung von Verwertung und Verteilung. Für Teile der Musiklandschaft – insbesondere im Bereich der sogenannten E-Musik sowie für junge Komponist:innen – kann dies erhebliche negative Auswirkungen haben.
Bereits heute ist die Möglichkeit zur Mitbestimmung innerhalb der GEMA an bestimmte Einnahmeschwellen gekoppelt. Wenn sich durch die Reform Einnahmen in einzelnen Bereichen verringern, kann dies dazu führen, dass insbesondere nicht-kommerzielle und experimentelle Musikformen strukturell schwerer Zugang zu Stimmrechten und Gremien erhalten. Demokratische Beteiligung wäre damit faktisch stärker an ökonomischen Erfolg gebunden. Gleichzeitig wird diskutiert, Entscheidungsstrukturen, insbesondere bei der neuen Kulturförderung, innerhalb der GEMA neu zu gewichten. Hier stellt sich die Frage, ob künftig alle musikalischen Arbeitsrealitäten weiterhin angemessen repräsentiert sind – oder ob sich der Einfluss stärker auf wirtschaftlich dominierende Bereiche konzentriert.
„Eine Reform darf nicht dazu führen, dass Teilhabe und Mitbestimmung an ökonomischen Erfolg gebunden werden. Die Vielfalt der Musiklandschaft manifestiert sich gerade dort, wo Marktlogiken nicht allein entscheidend sind“, sagt Christian Fausch, Vorsitzender von FREO e.V.
Eine zukunftsfähige Reform muss daher sicherstellen, dass demokratische Beteiligung unabhängig von ökonomischem Erfolg möglich bleibt und dass sich bestehende Ungleichheiten im Zugang zum Markt nicht weiter verschärfen. Gerade junge und experimentelle Komponist:innen dürfen nicht strukturell schlechtere Voraussetzungen für Mitwirkung und Repräsentation erhalten. Entscheidungsstrukturen müssen die Vielfalt der Musiklandschaft weiterhin abbilden – in allen Bereichen, unabhängig von den überholten Kategorien E- bis U. FREO e.V. setzt sich für eine Weiterentwicklung der GEMA ein, die diese Balance wahrt und kulturelle Vielfalt strukturell sichert.